Abwasser steigt im Keller: Ursache, Schutz und wer dafür sorgen muss
Nach einem Wolkenbruch gluckert der Bodenablauf im Keller, und kurz darauf steht Schmutzwasser im Raum. Das ist kein Defekt der Hausleitung, sondern ein Problem im Zusammenspiel von Kanal und Gebäude. Wer die Mechanik kennt, versteht auch, warum der Schutz Sache der Eigentümerseite ist.
Bei Starkregen fließt viel Wasser gleichzeitig in die Kanäle. Sind sie voll, kann der Pegel im öffentlichen Kanal über die Rückstauebene steigen, das ist die Höhe, bis zu der sich das Wasser im Kanal höchstens aufstauen darf. Das Abwasser drückt dann in die Hausanschlussleitung und tritt an der tiefsten Stelle des Gebäudes aus.
Betroffen sind Dusche, WC oder Waschmaschinenablauf im Keller, sofern sie unterhalb der Rückstauebene liegen. Die Ursache liegt im überlasteten Kanal, nicht im Haus; Wasser, das nach oben fließt, folgt nur dem Druck.
Wenn es nach Regen im Keller gluckert oder aus dem Bodeneinlauf riecht, kann das ein erstes Zeichen sein. Notieren Sie Datum und Wetter und geben Sie die Notiz der Verwaltung; so lässt sich Rückstau von einer gewöhnlichen Verstopfung unterscheiden.
Mischkanalisation im Zentrum
Berlin entwässert auf zwei Arten. Der größere Teil der Stadt, grob drei Viertel, leitet Schmutz- und Regenwasser getrennt ab. Im Zentrum dagegen, vor allem in den Quartieren innerhalb des S-Bahn-Rings, nimmt ein gemeinsamer Kanal beides auf.
Für den Rückstau zählt weniger, welches System vor dem Haus liegt, als die Höhe der Abläufe im Gebäude. Sitzen Bodeneinlauf, Dusche oder Waschmaschinenanschluss unter dem Niveau der Rückstauebene, gehört eine Sicherung ins Haus. Das gilt unabhängig vom Bezirk.
Welche Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene liegen, lässt sich nicht an der Wand ablesen. Bodenablauf, Kellerdusche und der Anschluss der Waschmaschine in der Waschküche kommen in Betracht; Abläufe im Erdgeschoss können dagegen darüber liegen. Die Eigentümerseite kann einen Fachbetrieb die Höhenlage der Ablaufstellen und den Zustand vorhandener Sicherungen beurteilen lassen.
Rückstauverschluss oder Hebeanlage
Zwei Techniken halten das Abwasser draußen. Ein Rückstauverschluss, im Alltag Rückstauklappe genannt, sperrt die Leitung, sobald Wasser in die falsche Richtung strömt. Er funktioniert nur, solange die Klappe sauber bleibt und nichts sie blockiert. Solange sie geschlossen ist, kann aus den dahinter liegenden Ablaufstellen nichts abfließen; wer dann Dusche oder Waschmaschine nutzt, füllt nur die Leitung im Haus.
Die Alternative ist eine Hebeanlage: Sie sammelt das Abwasser tiefer liegender Räume und hebt es in einer Schleife über die Rückstauebene und leitet es dann in den Kanal. Die Wasserbetriebe halten sie für den sichersten Schutz, wenn Dusche, WC oder Waschmaschine im Keller stehen. Verschluss wie Anlage brauchen eine regelmäßige Prüfung und Wartung, die man dokumentiert.
Kurz gesagt Starkregen kann den öffentlichen Kanal überlasten und Abwasser in die Hausleitung zurückdrücken. Rückstauverschluss oder Hebeanlage schützen davor; dafür sorgt der Grundstückseigentümer, nicht der Mieter.
Wer muss den Schutz einbauen?
Die Satzung der Wasserbetriebe für die Abwasserbeseitigung weist die Sicherung gegen Rückstau denen zu, die einleiten. Gemeint ist der Anschlussnehmer, der das Grundstück entwässert und für dessen ordnungsgemäßen Zustand einschließlich der Sicherung einsteht. In einem Mietshaus ist das die Eigentümerseite, nicht der einzelne Haushalt.
Wer durch Starkregen, Hochwasser oder Schneeschmelze einen Rückstauschaden erleidet, kann von den Wasserbetrieben keinen Ersatz verlangen; sie haften sonst nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Mieter fragen deshalb schriftlich bei der Verwaltung nach, ob Sicherungen existieren und gewartet werden.
Wenn der Keller schon voll läuft
Steht Schmutzwasser im Keller, halten Sie Abstand zu Steckdosen und Verteilern. Den Strom nehmen Sie nur weg, wenn der Sicherungskasten trocken ist und Sie ihn gefahrlos erreichen. Verzichten Sie auf Dusche, Spülung und Waschmaschine, damit kein weiteres Schmutzwasser nachläuft.
Fotografieren Sie Wasserstand und betroffene Dinge, ehe jemand aufräumt, und informieren Sie Verwaltung und Nachbarn. Schmutzwasser kann Erreger enthalten; niemand sollte mit bloßen Händen darin hantieren. Abpumpen und Trocknen kann, je nach Umfang, ein dafür ausgerüsteter Fachbetrieb übernehmen, den die Verwaltung beauftragt.
Vorsorge, die auch Mieter anstoßen können
Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung lassen sich Gebäude durch Rückstausicherungen und durch gesicherte Kellerfenster und Lichtschächte besser vor Starkregen schützen. Das Land hält dazu ein Online-Werkzeug zur Risikobewertung bereit und veröffentlicht eine Hinweiskarte.
Bewohner tragen mit ihrem Verhalten dazu bei, dass Schutzeinrichtungen arbeiten: Feuchttücher, Hygieneartikel und Speisereste im WC setzen Klappen und Pumpen zu. Ob Rückstauschäden mitversichert sind, hängt vom Vertrag ab; ohne einen Zusatzbaustein für Elementarschäden sind sie es nicht automatisch. Das klärt Ihre Versicherung.
Ab hier gehört es in Fachhände
Ein Fachbetrieb ist gefragt, wenn Abwasser im Keller steht, ein Ablauf nach Regen gluckert oder eine Rückstauklappe verdächtig klemmt. Er kann beurteilen, ob Verschluss oder Hebeanlage vorhanden und funktionsfähig sind. Einbau und Wartung gehören in Betriebe, die für Entwässerung und Trinkwasser qualifiziert sind.