Wo das Wasser herkommt, ist selten dort, wo es auftaucht
Wasser sucht sich seinen Weg. Eine Leitung, die in der Wand bricht, kann ihren Schaden erst am Deckenrand der Wohnung darunter zeigen, weil die Nässe an Rohren, Mauerwerk und Estrichfugen entlangwandert. Der Fleck an der Tapete markiert deshalb nur das Ende der Strecke, nicht den Anfang.
Für die Suche ist wichtig, was zuletzt passiert ist. Wurde gebohrt, ein Bild aufgehängt oder ein Möbelstück verrückt? Ist ein Schlauch an Wasch- oder Spülmaschine betroffen? Solche Beobachtungen helfen dem Fachbetrieb später, den Bereich einzugrenzen. Notieren Sie, was Sie sehen und hören, bevor Sie etwas verändern.
Auch ein Rauschen nach dem Duschen oder ein feuchter Fleck, der nach dem Spülen der Toilette wächst, sind brauchbare Spuren. Je genauer die Beschreibung, desto gezielter lässt sich die Leitung eingrenzen, die überhaupt infrage kommt.
Absperren in der richtigen Reihenfolge
Zuerst kommt das nächstgelegene Absperrventil: unter dem Waschbecken, an der Waschmaschine, am WC oder an der Wohnungsleitung. Versiegt der Austritt, nachdem das Ventil zu ist, sitzt der Defekt im abgesperrten Abschnitt. Fließt es weiterhin ungebremst, stammt das Wasser möglicherweise aus einer Leitung davor, etwa aus dem Strang im Treppenhaus oder im Schacht.
Schließen Sie dann bei Bedarf das Hauptventil der Wohnung und informieren Sie Nachbarn und Hausverwaltung. Läuft auch dann noch Wasser aus, kommt ein Leitungsabschnitt vor dem Hauptventil in Betracht, etwa im Steigstrang des Hauses. Gefäße unterzustellen und Pfützen aufzunehmen schützt den Boden; Mehrfachstecker, Geräte und Kabel gehören aus dem nassen Bereich heraus.
Rohrleitungen und ihre Schwachstellen
Wie Leitungen versagen, hängt vom Material ab. Verzinkte Stahlrohre können von innen verkrusten und an Gewinden oder Verbindungen durchrosten. Kupferleitungen leiden eher an Lötstellen, Pressverbindern und Stellen, an denen Fremdstrom oder aggressives Wasser nagt. Kunststoffrohre sind innen unempfindlich, reißen aber an Schellen, Knicken oder bei Frost.
Im Altbau kommt dazu, dass Leitungen oft in Schlitzen und Schächten liegen, die über Jahrzehnte mehrfach überbaut wurden. Bleirohre sind nach der Trinkwasserverordnung zu entfernen oder stillzulegen; wer eines im Keller vermutet, lässt es von einem Fachbetrieb beurteilen, statt es selbst zu bearbeiten.
Leckortung: Messen statt Aufstemmen
Bevor jemand eine Wand öffnet, kann ein Fachbetrieb die Stelle eingrenzen. Zur Auswahl stehen Feuchtemessung, Wärmebildkamera, Geräuschortung am Rohr, Druckprüfung einzelner Stränge und, je nach Lage, Gasprobe oder Rauch. Welches Verfahren passt, hängt von Material, Verlauf und Zugänglichkeit ab.
Das Ziel ist eine möglichst kleine Öffnung genau an der Schadstelle. Das schont Fliesen und Putz. Zu den Aufgaben danach können das Abdichten, das Einsetzen eines Passstücks oder der Austausch eines Leitungsabschnitts gehören; was im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet der Betrieb nach dem Befund.
Wichtig ist auch die Nachkontrolle. Nach einer Reparatur sollte die Leitung unter Druck stehen und der Wasserzähler bei geschlossenen Hähnen ruhig bleiben. Zeigt sich Feuchtigkeit weiter, kann eine zweite Schadstelle im selben Strang liegen, denn alte Rohre geben gelegentlich an mehreren Verbindungen nach.
Dokumentieren, melden, nicht allein entscheiden
Machen Sie Fotos von der feuchten Stelle, vom Wasserzähler-Stand und von beschädigten Gegenständen. Mieterinnen und Mieter sollten den Mangel ihrer Verwaltung unverzüglich mitteilen, denn § 536c BGB verpflichtet sie, Mängel anzuzeigen. Was im Einzelfall gilt, klären Mietvertrag und Hausverwaltung.
Größere Maßnahmen entscheiden Sie nicht allein. Gehört der Strang zur Gemeinschaftsleitung, sind Eigentümerseite und Verwaltung gefragt. Wer Wohneigentum besitzt, schaut außerdem in den Vertrag der Gebäudeversicherung; ob eine Police greift, steht dort.