Blei in der Hausleitung? Woran Sie es im Keller erkennen
Bei einem Mietshaus aus der Zeit vor 1973 stellt sich früher oder später die Frage nach Bleirohren. Die Antwort steht nicht im Mietvertrag, sondern in den Leitungen selbst.
Blei hat einige auffällige Eigenschaften, und für den Umgang damit tragen die Eigentümer des Hauses klar umrissene Pflichten.
Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales gibt zu bedenken, dass in Häusern mit Baujahr vor 1973 noch Bleirohre liegen können. Blei galt als bequemer Werkstoff, weil es sich leicht biegen und löten ließ. Manche Hausleitungen aus dieser Zeit wurden inzwischen ersetzt, andere nicht.
Seit Ende 2013 darf Trinkwasser höchstens zehn Mikrogramm Blei je Liter enthalten. Nach Auskunft des Landesamts schafft eine Bleileitung im Haus diese Grenze nicht. Das Baujahr gibt also einen Anlass zum Nachsehen, es beweist aber nichts: Hat jemand die Leitungen erneuert, liegt im Keller womöglich nur noch Kupfer oder Kunststoff.
Äußere Merkmale eines Bleirohrs
Bleirohre sehen stumpf silbergrau aus und fühlen sich weicher an als Kupfer oder Stahl; mit einem spitzen Gegenstand lässt sich die Oberfläche leicht ritzen. Klopft man vorsichtig dagegen, klingt es dumpf, weniger hell als bei Kupfer oder Stahl. Die Verbindungen sind verdickt, die Lötstellen wirken wie kleine Knoten.
Zu sehen sind solche Rohre am ehesten im Keller, rund um den Wasserzähler herum, auf beiden Seiten. Kupfer schimmert rötlich, verzinkter Stahl hellgrau und glatt, Kunststoff ist an Farbe und Gewicht zu erkennen. Machen Sie ein Foto von verdächtigen Stellen; Ritzen und Prüfen überlassen Sie einer Fachkraft, damit nichts beschädigt wird.
Wer dafür geradesteht
Die Berliner Wasserbetriebe haben die alten Bleileitungen im Bereich der Hausanschlüsse seit 2005 straßenweise ausgewechselt; diese Arbeiten sind beendet. Ab dem Wasserzähler beginnt die Hausinstallation, und die liegt bei den Eigentümern des Gebäudes.
Nach der Trinkwasserverordnung müssen Betreiber vorhandene Bleileitungen entfernen oder außer Betrieb nehmen, und zwar fachgerecht. Wer Blei im Haus hat, muss die Bewohner unverzüglich unterrichten und dem Gesundheitsamt belegen, dass die Pflicht erfüllt ist. Mieter müssen keinen Beweis führen; sie dürfen aber nachfragen und Hinweise geben.
Kurz gesagt Bleirohre wirken stumpf silbergrau, sind weich und zeigen dicke Lötwülste. Sichtbar werden sie im Keller um den Wasserzähler. Eine sichere Einschätzung liefert ein Fachbetrieb, Austausch oder Stilllegung verantwortet die Eigentümerseite.
Was Mieterinnen und Mieter tun können
Fotografieren Sie auffällige Rohre, soweit der Keller zugänglich ist, und fragen Sie die Hausverwaltung schriftlich, ob die Hausinstallation auf Blei untersucht wurde. Mit Datum und Absender lässt sich später nachweisen, dass die Frage gestellt wurde. Ob eine Leitung ersetzt wird, entscheiden die Eigentümer.
Zweifel kann ein Fachbetrieb des Sanitär- und Heizungshandwerks ausräumen, den die Verwaltung beauftragen kann. Das Landesamt empfiehlt diese Beurteilung ausdrücklich. Für Haushalte mit Schwangeren, Säuglingen oder Kleinkindern bietet es besondere Hinweise; Fragen zur Gesundheit gehören zum Gesundheitsamt oder in die Arztpraxis.
Für die Anfrage an die Verwaltung helfen drei Angaben: das Baujahr des Hauses, die Stelle im Keller, an der das verdächtige Rohr liegt, und ob es vor oder hinter dem Wasserzähler sitzt. Dazu kommt das Foto. Mit diesen Angaben kann die Verwaltung einen Fachbetrieb mit der Beurteilung beauftragen und Ihnen das Ergebnis mitteilen.
Austausch oder Stilllegung
Ein Fachbetrieb kann zunächst erfassen, welche Abschnitte aus Blei bestehen: vom Hausanschlussraum über den Steigstrang bis in die einzelne Wohnung. Daraus ergibt sich, ob einzelne Stücke genügen oder ein ganzer Strang neu verlegt wird.
Hand an die Trinkwasseranlage legen dürfen nur Unternehmen mit Eintrag im Installateurverzeichnis der Wasserbetriebe. Stellt ein Fachbetrieb eine Bleileitung fest, kann er sie dem Gesundheitsamt melden. Das gehört zum geregelten Ablauf und ist kein Hinweis auf ein Versäumnis der Bewohner.
Entfernen heißt, das Rohr auszubauen; Stilllegen heißt, es vom Netz zu trennen, sodass kein Trinkwasser mehr hindurchfließt. Welche Variante passt, hängt vom Verlauf ab: Ein Rohr, das offen im Keller liegt, lässt sich leichter ausbauen als eines, das hinter Fliesen in der Wand verläuft. Das kann der Fachbetrieb vor Ort beurteilen; die Entscheidung trifft die Eigentümerseite.
Verzinkt, Kupfer, Kunststoff: andere Leitungen im Altbau
Nicht jedes graue Rohr ist Blei. Verzinkter Stahl war im Altbau lange üblich und fühlt sich hart an. Er kann von innen zuwachsen, was sich an schwachem Druck zeigt, ist aber ein anderes Thema als Blei. Kupfer löste Stahl später ab, Kunststoffrohre kamen noch später dazu.
Gerade weil sich die Werkstoffe in einem Haus mischen, ist eine Bestandsaufnahme sinnvoll: Welche Leitung liegt in welchem Strang, aus welchem Material, in welchem Zustand? Eigentümer und Verwaltungen erhalten so die Grundlage, um Erneuerungen sinnvoll zu planen, statt jeden Schaden einzeln zu beheben.
Ab hier gehört es in Fachhände
Ein Fachbetrieb wird gebraucht, sobald der Verdacht auf Bleirohre besteht oder Sie ein verdächtiges Rohr gefunden haben. Er kann den Werkstoff beurteilen, mit der Eigentümerseite Austausch oder Stilllegung besprechen und die Arbeiten an der Trinkwasseranlage ausführen. Gesundheitliche Fragen klärt das Gesundheitsamt.