Wasserfleck an der Decke: die Ursache liegt meist oben
Wenn Wasser läuft
Braun, rund, feucht: Was ein Fleck an der Zimmerdecke erzählt
Zuerst ist es nur ein heller Ring im Weiß, dann wird er dunkler und wölbt sich leicht. Ein Fleck an der Decke kommt selten aus dem Nichts: Wasser folgt der Schwerkraft und drückt sich durch jede Stelle, an der das Material schwächer wird.
Der sichtbare Schaden liegt deshalb meist nicht an der Stelle, an der das Wasser entsteht.
In einer Geschossdecke aus Holzbalken oder Beton wandert Feuchtigkeit entlang von Balken, Rohren und Fugen, bevor sie sichtbar wird. Die Quelle kann darum einen Meter neben dem Fleck oder zwei Räume weiter sitzen. Ein Rohr, das in der Zwischendecke undicht ist, lässt Nässe oft erst nach Tagen oder Wochen durchschlagen.
Geduld ist deshalb ein schlechter Ratgeber: Je länger das Wasser in der Konstruktion bleibt, desto größer der Schaden. Halten Sie den Fleck mit Bleistift und Datum an der Kontur fest, so lässt sich später sehen, ob er wächst.
Auch die Farbe gibt Hinweise. Gelbliche bis braune Ränder entstehen, wenn Wasser Schmutz und Holzinhaltsstoffe aus der Decke löst und am Rand ablagert. Ein frischer, dunkler und kühler Fleck deutet auf einen laufenden Zufluss, ein heller, trockener Ring eher auf einen früheren Vorfall.
Die Wohnung darüber als Verdächtige
In Mehrfamilienhäusern liegt die Quelle häufig im Geschoss darüber: eine undichte Anschlussleitung an Waschbecken oder Badewanne, eine Silikonfuge, die Wasser durchlässt, ein Geräteschlauch, der porös wurde. Auch eine Dusche mit abgenutzter Dichtung zwischen Wanne und Fliese kann Nässe in den Boden schicken.
Beim Altbau mit Holzbalkendecke kann zusätzlich ein Trittschalldämmstoff Wasser aufsaugen und es später verteilen. Klingeln Sie bei den Nachbarn oben, schildern Sie freundlich die Lage und bitten Sie darum, Bad und Küche anzusehen. Gelingt das nicht, wenden Sie sich an die Hausverwaltung.
Dach, Fassade und Kondensat
Liegt Ihre Wohnung unter dem Dach oder im obersten Geschoss, kommt Regenwasser durch Dachhaut, Gaube oder Schornsteinanschluss in Betracht. Dann erscheinen Flecken nach Niederschlag und trocknen zwischendurch ab. Eine undichte Dachrinne oder ein Fallrohr, das hinter der Fassade leckt, kann ähnlich wirken.
Nicht jede feuchte Stelle ist ein Leck: In kalten Ecken schlägt sich Raumfeuchte nieder und nährt Schimmel, ohne dass Wasser einsickert. Der Unterschied zeigt sich im Verlauf. Kondensat bleibt auf Außenwände und Ecken beschränkt, während ein Rohrleck unabhängig vom Wetter weiterläuft.
Klären Sie auch, ob im Haus kürzlich ein Gerät installiert oder ein Bad umgebaut wurde. Ein Anschluss, der nicht sauber abgedichtet ist, macht sich manchmal erst nach mehreren Wochen bemerkbar.
Kurz gesagt Sichtbar wird der Fleck dort, wo das Wasser die Decke durchdringt, entstehen kann es an ganz anderer Stelle. Halten Sie die Lage mit Fotos fest, fangen Sie Tropfen auf, meiden Sie Lampen und melden Sie den Befund schriftlich.
Was Sie bis zur Klärung tun können
Tropft es, gehört ein Eimer darunter, in den Sie ein Tuch legen, damit nichts spritzt. Rücken Sie Möbel und Teppiche beiseite. Sitzen Lampe oder Steckdose im Bereich des Flecks, bleiben beide unberührt. Den Stromkreis dürfen Sie nur am Sicherungskasten ausschalten, wenn dieser trocken und gefahrlos erreichbar ist; die Anlage sollte danach eine Elektrofachkraft ansehen.
Wölbt sich die Farbe zur Blase, stechen Sie nicht hinein: Das gestaute Wasser läuft dann unkontrolliert aus. Fotografieren Sie Fleck, Eimer und Wasserstand mit Datum. Wischen Sie Wasser vom Boden auf, damit niemand ausrutscht.
Melden, ohne zu beschuldigen
Schreiben Sie der Hausverwaltung, an welcher Stelle der Fleck sitzt, seit wann er sichtbar ist und ob er sich ausbreitet. Bilder gehören dazu. Das Gesetz verpflichtet Mieter, einen Mangel unverzüglich anzuzeigen; wer es versäumt, kann für Folgeschäden einstehen müssen. Wer im Einzelfall wofür einsteht, hängt von Ihrem Mietvertrag und Ihrer Police ab; Streitfragen gehören zum Mieterverein oder in eine Anwaltskanzlei.
Formulieren Sie sachlich. Ob die Ursache im Nachbarbad, in der Leitung oder im Dach liegt, steht erst nach einer Prüfung fest.
Ab hier gehört es in Fachhände
Ein Fachbetrieb ist gefragt, wenn der Fleck wächst, die Decke durchhängt, Wasser tropft oder die Quelle nicht auffindbar ist. Mit Feuchtemessung und Leckortung kann er eingrenzen, welche Leitung betroffen ist, und die Nachbarwohnung einbeziehen. Trocknung und Instandsetzung stimmen Sie mit der Verwaltung ab.